Was ist eine Drohne? Drohnenarten, Bauformen & EU-Klassen 2026

Aus dem Fachwissen · Drohnenkunde

Drohnenarten: Bauformen, Anwendungen und EU-Klassen

Eine Drohne ist ein unbemanntes Luftfahrzeug, das ferngesteuert oder autonom fliegt. Die Bauformen reichen vom kompakten Multicopter über Starrflügler bis zu Hybrid-Systemen, die Anwendungen von Vermessung und Inspektion über Landwirtschaft bis zu Sport und Logistik. Diese Übersicht ordnet die wichtigsten Drohnenarten nach Bauform, Anwendung und EU-Klasse.

Was ist eine Drohne?

Der Begriff Drohne bezeichnet jedes unbemannte Luftfahrzeug, das ohne Pilot an Bord betrieben wird. Im technischen Kontext werden Drohnen als UAV(Unmanned Aerial Vehicle) oder UAS(Unmanned Aircraft System, inklusive Bodenstation und Datenverbindung) bezeichnet. Jede Drohne besteht im Kern aus vier Baugruppen: Rahmen, Antrieb, Energiequelle und Steuerung, ergänzt um Sensorik, die je nach Einsatzzweck stark variiert.

Klassifizieren lassen sich Drohnen nach drei Dimensionen, die in der Praxis alle relevant sind: nach Bauform(wie sie fliegen), nach Anwendung(wofür sie eingesetzt werden) und nach EU-Drohnenklasse(rechtlicher Rahmen).

Klassifikation nach Bauform

Multicopter

Die mit Abstand häufigste Bauform. Mehrere senkrecht angeordnete Rotoren erzeugen Auftrieb und stabilisieren die Drohne. Multicopter starten und landen senkrecht, können in der Luft schweben und enge Manöver fliegen. Untervarianten unterscheiden sich nach Rotorzahl: Quadcopter(4 Rotoren, Standard für Fotografie und Inspektion), Hexacopter(6 Rotoren, höhere Nutzlast und Ausfallsicherheit) und Octocopter(8 Rotoren, professionelle Schwerlasten). Multicopter sind für die meisten Vermessungs- und Inspektionsaufgaben das Mittel der Wahl.

Starrflügler (Fixed-Wing)

Drohnen mit feststehenden Tragflächen, die wie ein klassisches Flugzeug fliegen. Sie benötigen Anlauf zum Start und können nicht schweben, dafür sind sie energieeffizient und decken in einem Flug große Flächen ab. Typische Einsätze: großflächige Befliegung in der Land- und Forstwirtschaft, Korridorvermessung entlang von Trassen, kartografische Aufnahmen ab mehreren hundert Hektar.

Hybrid und VTOL

VTOL steht für Vertical Take-Off and Landing. Diese Drohnen kombinieren senkrechten Start und Landung wie ein Multicopter mit dem effizienten Vorwärtsflug eines Starrflüglers. Sie eignen sich für Projekte, die große Reichweite ohne Startbahn erfordern, etwa Befliegungen schwer zugänglicher Gebiete oder lange lineare Strukturen.

Single-Rotor und Spezialformen

Helikopter-Bauformen mit einem Hauptrotor sind selten geworden, finden sich aber in Sonderanwendungen mit hoher Nutzlast oder langen Flugzeiten. Daneben existieren Mikro- und Nano-Drohnen unter 250 Gramm sowie Schwerlast-Plattformen über 25 kg für industrielle Lasten und behördliche Aufgaben.

Klassifikation nach Anwendung

Welche Drohnenart sinnvoll ist, hängt vor allem vom Einsatzzweck ab. Die wichtigsten Anwendungsfelder im professionellen Bereich:

  • Vermessung und Geodaten. Multicopter mit RTK-Modul oder LiDAR-Sensorik für UAV-Photogrammetrie und LiDAR-Befliegungen. Liefern Punktwolken, Orthofotos und Geländemodelle für Bau, Forst und Infrastruktur.
  • Inspektion. Inspektionsdrohnen mit Zoom- oder Wärmebildkamera für die Prüfung von Brücken, Windkraftanlagen, Hochspannungsleitungen, Industrieanlagen und Dächern.
  • Landwirtschaft. Multispektral- und Wärmebildaufnahmen zur Bestandsanalyse, Ertragsschätzung und gezielten Bewässerungs- oder Düngerausbringung. Zunehmend auch Sprühdrohnen.
  • Forstwirtschaft. LiDAR- und Multispektralaufnahmen zur Bestandserfassung, Borkenkäfer-Früherkennung und Schadensdokumentation.
  • Logistik und Lieferung. Noch im Pilotstadium, aber mit ersten Regelbetrieben für medizinische Lieferungen und urbane Last-Mile-Konzepte.
  • Such- und Rettungsdienste. Drohnen mit Wärmebildkameras unterstützen Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste bei der Personensuche.
  • Sport und Hobby. FPV-Racing-Drohnen, Kameradrohnen für Privatpiloten, Foto- und Filmproduktion.
  • Militär und Verteidigung. Eigener regulatorischer und technischer Rahmen mit gesonderten Beschaffungs- und Betriebsvorschriften.

EU-Drohnenklassen C0 bis C6

Seit 2024 ist die EU-Drohnenverordnung 2019/947 in Deutschland vollständig wirksam. Drohnen werden in zwei Hauptkategorien eingeteilt: die offene Kategorie mit den Klassen C0 bis C4 für Standardflüge ohne Genehmigung und die spezielle Kategorie mit den Klassen C5 und C6 für Standardszenarien wie Flüge außerhalb der Sichtweite oder professionelle Sondereinsätze.

Offene Kategorie (C0 bis C4)

Klasse Startmasse Wesentliche Anforderungen Beispielmodelle
C0 unter 250 g Keine technischen Sicherheitssysteme erforderlich; höchstens 19 m/s; höchstens 120 m über Grund DJI Mini 3/4/5 Pro, DJI Flip, DJI Neo
C1 unter 900 g oder unter 80 J Aufprallenergie Höhenbegrenzung, Lost-Link-Management, direkte Fernidentifikation, Geo-Sensibilisierung, UAS-Lichter; höchstens 85 dB; höchstens 24 V DJI Air 3(S), DJI Mavic 3 Classic, DJI Avata 2
C2 unter 4 kg Wie C1, zusätzlich gesicherte Datenverbindung und Langsam-Flugmodus; höchstens 48 V DJI Mavic 3 Pro/Cine, Mavic 4 Serie, Mavic 3E/3T/3M, Matrice 4 Serie, Matrice 30, SenseFly eBee
C3 unter 25 kg Wie C2, ohne Langsam-Flugmodus; Lautstärkeausweis ohne Begrenzung DJI Inspire 3, DJI Matrice 350 RTK, Trinity F90+, Wingtra One
C4 unter 25 kg Klassischer Modellflug ohne automatische Steuerung; keine Sicherheitssysteme erforderlich Selbstbau- und Modellflug-Plattformen

Spezielle Kategorie (C5 und C6)

Die Klassen C5 und C6 betreffen Drohnen, die im Rahmen von Standardszenarien in der speziellen Kategorie eingesetzt werden, typischerweise Flüge außerhalb der Sichtweite(BVLOS), Korridorvermessungen oder andere professionelle Sondereinsätze. Voraussetzung ist neben der Geräteklassifizierung ein genehmigtes Betriebskonzept und eine entsprechende Pilotenausbildung.

Praxis-Sicht

Für die meisten professionellen Vermessungseinsätze in der offenen Kategorie kommen Drohnen der Klassen C2 und C3 zum Einsatz. Großflächige Korridor- oder Trassenvermessungen außerhalb der Sichtweite erfordern den Wechsel in die spezielle Kategorie mit C5- oder C6-Klassifizierung. Die genauen Anforderungen an Pilotenschein, Aufstiegserlaubnis und Versicherung hängen neben der Klasse auch vom Einsatzort ab, etwa von der Nähe zu Flughäfen, Wohngebieten oder kritischer Infrastruktur.

Welche Drohne für welchen Zweck?

Die Wahl der richtigen Drohne hängt vor allem von Fläche, Datenprodukt und Geländezugang ab. Eine grobe Orientierung:

Anwendung Empfohlene Bauform Typische Sensorik
Baufortschritt, kompakte Flächen bis 50 ha Quadcopter mit RTK RGB-Kamera, optional LiDAR
Großflächige Kartierung über 100 ha Fixed-Wing oder VTOL RGB- oder Multispektralkamera
Wald, Vegetation, Bodenmodelle unter Baumkronen Hexacopter mit LiDAR UAV-LiDAR
Inspektion Bauwerk, Brücke, Industrieanlage Quadcopter, kompakt Zoom-Kamera, Wärmebild
Landwirtschaft, Bestandsanalyse Quadcopter oder Fixed-Wing Multispektral, NDVI
Korridorvermessung Trasse, Bahn, Leitung VTOL oder Fixed-Wing RGB, LiDAR

Worauf Sie bei der Anbieterauswahl achten sollten

  • Anbieter fragen, welche Drohnenklasse und Bauform für Ihr Projekt eingesetzt wird und warum.
  • Bei Flächen über 100 Hektar oder Korridorprojekten auf Fixed-Wing- oder VTOL-Erfahrung achten.
  • Für Vermessungen immer nach RTK-Modul und eingesetzter Sensorik fragen, also Photogrammetrie, LiDAR oder Multispektral.
  • Flüge außerhalb der Sichtweite erfordern die spezielle Kategorie. Vorab klären, ob Genehmigung und Pilotenqualifikation vorliegen.
  • Für Flüge in Wohngebieten, an Flughäfen oder kritischer Infrastruktur Aufstiegserlaubnis und Versicherungsnachweis einfordern.

Kurz zusammengefasst: Drohnenarten unterscheiden sich nach Bauform, nach Anwendung und nach EU-Klasse. Für Vermessung und Inspektion decken Multicopter der Klassen C2 und C3 die meisten Fälle ab. Für Großflächen und Korridore kommen Fixed-Wing und VTOL ins Spiel.

Projekt einreichen

Vermessungsprojekt mit Drohne geplant?

Welche Drohnenart und welches Verfahren für Ihr Projekt am besten geeignet sind, hängt von Fläche, Vegetation, Genauigkeitsanforderung und Datenprodukt ab. Schildern Sie Ihr Projekt, passpunkt prüft Ihre Anfrage und vermittelt an passende Anbieter aus dem Verzeichnis.

Geprüfte Anbieter Unverbindlich Antwort persönlich

Für weitere Informationen zum Thema Drohnen und zur Klärung spezifischer Fragen im Zusammenhang mit der Verwendung von Drohnen empfehlen wir Ihnen dringend, sich bei den zuständigen Genehmigungsbehörden wie dem Luftfahrt-Bundesamt (LBA) zu informieren. Besuchen Sie dazu bitte die offizielle Website des LBA unter https://www.lba.de/DE/Drohnen/Drohnen_node.html

Disclaimer:

Die in diesem Blogpost enthaltenen Informationen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine rechtliche Beratung dar. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der Informationen auf diesem Blog. Wir empfehlen unseren Lesern dringend, unabhängige Recherche durchzuführen und gegebenenfalls weiteren fachkundigen Rat einzuholen, bevor sie Entscheidungen aufgrund der auf diesem Blog bereitgestellten Informationen treffen. Wir empfehlen unseren Lesern ebenso, sich bei den zuständigen Genehmigungsbehörden wie dem LBA zu informieren, um spezifische Fragen im Zusammenhang mit der Verwendung von Drohnen zu klären. Zudem sollte man sich auch bei den Herstellern über die entsprechenden technischen Daten und Eigenschaften der Drohnen informieren, um sicherzustellen, dass die Drohne den Anforderungen entspricht und sicher betrieben werden kann. Es ist wichtig zu beachten, dass Drohnen ein gewisses Risiko darstellen und ein sorgfältiger Umgang erforderlich ist. Sie sollten nur von geschultem und erfahrenem Personal betrieben werden, um Unfälle und Verletzungen zu vermeiden. Wir übernehmen keine Haftung für Schäden oder Verluste, die durch die Nutzung des Blogs, der Informationen oder der damit verbundenen Dienstleistungen entstehen.

von Samuel Flick • 31. März 2023
Sie benötigen eine LiDAR Drohnenvermessung? Sie möchten die Technik einfach mal ausprobieren? Dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme.
von Samuel Flick • 31. März 2023
Sie möchten eine LiDAR Vermessung mittels Drohne für ein Projekt ausprobieren? Dann freuen wir uns sehr auf Ihre Kontaktaufnahme.
von Samuel Flick • 31. März 2023
Sie möchten für Ihr Vermessungsprojekt Drohnendaten erheben und suchen nach einem passenden Anbieter? Kontaktieren Sie uns gerne, wir besprechen mit Ihnen die Projektanforderungen und suchen Ihnen einen passenden Anbieter heraus.
von Samuel Flick • 30. März 2023
Die direkte Georeferenzierung kombiniert IMU und GNSS mit LiDAR-Systemen, um präzise räumliche Informationen in Echtzeit zu erhalten. Dies führt zu höherer Genauigkeit, effizienterer Datenerfassung, weniger Abhängigkeit von Bodenkontrollpunkten und besserer Erfassung in schwierigen Umgebungen. In vielen professionellen Anwendungen ist direkte Georeferenzierung der bevorzugte Ansatz für eine hohe Genauigkeit und Effizienz.
von Samuel Flick • 30. März 2023
Die Genauigkeit von LiDAR-Messungen kann bei höheren Flughöhen abnehmen, da der Laserstrahl größere Entfernungen zurücklegen muss und das Signal-Rausch-Verhältnis beeinträchtigt sein kann. Die tatsächlichen Auswirkungen variieren je nach System und Umgebungsbedingungen. Experimentelle Tests oder Herstellerdaten sind erforderlich, um die Genauigkeit bei verschiedenen Flughöhen präzise zu bewerten.
von Samuel Flick • 30. März 2023
Präzision, Sigma und Root Mean Square Error (RMSE) sind Begriffe zur Beurteilung der Qualität von LiDAR-Messungen. Präzision und Sigma beschreiben die Konsistenz der Messungen, während RMSE die durchschnittliche Abweichung von den tatsächlichen Werten angibt. Diese Faktoren sind entscheidend für die Optimierung und Anpassung von LiDAR-Systemen an die jeweilige Anwendung.
von Samuel Flick • 30. März 2023
Genauigkeit und Präzision sind entscheidende Faktoren für die Qualität von LiDAR-Messungen. Genauigkeit bezieht sich auf die Nähe der Messungen zum wahren Wert, während Präzision die Konsistenz bei wiederholten Messungen betrifft. Ein ideales LiDAR-System sollte beides bieten, um verlässliche Ergebnisse zu gewährleisten.
von Samuel Flick • 30. März 2023
Die Pulsfrequenz bei LiDAR-Systemen beeinflusst die Erfassungsgeschwindigkeit und räumliche Auflösung. Eine höhere Pulsfrequenz kann zu schnellerer Erfassung führen, aber Entwickler müssen auch Faktoren wie Rückkehrzeit des Laserstrahls, Laserleistung und den zu erfassenden Bereich berücksichtigen, um ein optimales Gleichgewicht zu finden.
von Samuel Flick • 30. März 2023
Lernen Sie die Lux-Zahl als Einheit der Beleuchtungsstärke kennen und entdecken Sie Beispiele für unterschiedliche Lichtverhältnisse und ihre ungefähren Lux-Zahlen – von Mondlicht bis direkter Sonneneinstrahlung.
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